2_3_dim. Eine Kunstausstellung von Michael Kestner und Axel Schubert im Theater Münster

In einer gemeinsamen Ausstellung im Theater Münster zeigt Michael Kestner vom ‚Künstlerhaus BEM Adam‘ Plastiken und Axel Schubert vom ‚Bogen‘ in Neheim Malerei.

2_3_dim. Schon der Titel der Ausstellung muss enträtselt und gedeutet werden. Dabei verweist er in verknappter Form auf die Medien der beiden Künstler. Der eine arbeitet als Maler, der andere als Plastiker. Es geht also erst einmal um die Ausdehnung im Raum – die zweite und die dritte Dimension.

Foto: Rosel Schubert

Aber es geht auch um eine formale Reduktion der Formen, mit der sich Mehrdeutigkeiten und assoziative Umdeutungen eröffnen.In der Zusammenschau seiner Arbeiten erkennt man schnell das von Axel Schubert bevorzugte Zeichenrepertoire: das Pluszeichen – gleichlange Vertikale und Horizontale, also kein Kreuz; die Strichreihen, wie wir sie bei einer Abzählkontrolle auf Papier festhalten; Skripturales in Form von leserlich bis unleserlich Geschriebenem, bei dem die Ästhetik im Zweifel gewinnt. Und immer wieder taucht die Eiform auf mit ihrem Verweis auf den Ursprung des Seins. Ist für Andere der Kreis das Symbol der Vollkommenheit, so bevorzugt Schubert das Quadrat als eckiges Pendant und nutzt es als Bildformat, als Bildelement oder kompositorische Struktur. Das schafft Klarheit und Entschlossenheit und unterstreicht bildnerisch Bedeutungen, die nicht mit Worten fassbar sind. All das agiert auf einem Bildgrund, der Malen nicht als Einsatz vieler Farben versteht, sondern als Ausdifferenzierung von Helligkeitswerten. So entfalten die grauen Töne und gebrochenen Farben gerade durch ihren malerischen Auftrag eine subtil-silbrige Folie – vibrierend und durchlässig. Geheimnis und Botschaft.

Foto: Rosel Schubert

Michael Kestner zeigt Arbeiten aus drei Werkgruppen, die sich motivisch unterschiedlich mit Eingeschlossensein und Kommunikation beschäftigen. Da sind die Köpfe, die in ihrer Reduktion an Helme erinnern. Die Physiognomie ist verschliffen. Das Individuelle getilgt. Das Ich verbirgt sich in einem Schutzgehäuse. Schmale Schlitze oder Aufbrüche bilden Öffnungen, durch die ein Austausch möglich scheint.

Völlig abgekapselt und in sich verschlossen sind dagegen die ‚Hockenden‘ in ihren Raumkonstruktionen, dem Zugriff der Betrachtung hilflos ausgeliefert. Eingewickelt und eingeschnürt warten sie auf den Moment der Erlösung. 

Die umgebenden Konstruktionen aus Holz, Metall oder Keramik erinnern an Gefängnis- oder Grabsituationen. Hier gibt es nur den inneren Dialog. Wie ein äußerer Dialog des Ichs mit sich selber aussehen kann, zeigen die Gitterkästen mit ihrem verspiegelten Innenteil. Beim Betrachten begegne ich mir und der mich umgebenden Welt. Im gerasterten Sehfeld erscheint die Wirklichkeit fragmentarisiert und flüchtig. Erkenntnis, aber keine Lösung.

Foto: Rosel Schubert

Die Malereien Axel Schuberts und die Plastiken Michael Kestners orientieren sich an Strawinskys Haltung „Je mehr Zwang man sich auferlegt, um so mehr befreit man sich von den Ketten, die den Geist fesseln“. Reduktion als Akt der Befreiung.

Weitere Infos: https://www.theater-muenster.com/produktionen/vernissage-23dim-.html