Haus

Michael Kestner

Die Wiederentdeckung von Glanzbild-Bögen mit Motiven historischer Vorlagen ist die entscheidende Anregung für meine jüngsten Papierschnitte gewesen.

Die auf den ersten Blick auffallenden Farben und Motive waren weniger bedeutsam – entscheidender Auslöser war dagegen der zweite Blick, mit dem ich den formalen Stellenwert und das Gestaltungspotential der Verbindungen zwischen allen Einzelmotiven entdeckte. So sind in meinen Papierschnitten die Verbindungsstege nicht mehr nur Hilfsmittel zu Trennung und Ausschneiden, sondern sie gehören zum gestalterischen Repertoire – ebenso wie Farbe, Form und Komposition.

Blumenfeen, niedliche Hunde, Vögel, Blumengebinde etc. sind abstrakten Flächenformen gewichen. Sie können spielerisch-bewegt, organisch oder auch strengen Charakters sein.

Im Gegensatz zur bunten Farbigkeit der Glanzbilder zeichnen sich meine Papierschnitte durch ein begrenztes Farbrepertoire aus. Das unbunte Schwarz ist immer tonangebend und verbindet sich mit einem das Passepartout einschließenden Farbklang.

Aus der abstrakten Formenwelt tauchen teilweise wieder figürlich-gestalthafte Motive auf oder es kommt umgekehrt zu einer streng systematischen Anordnung von rechteckigen Flächen, die wiederum zergliedert werden, um sich mit neuen kompositorischen Findungen in einem Sowohlalsauch zu verbinden.